Factoring – nur echt mit Risikoübernahme
Alle reden davon – aber richtig Bescheid weiß eigentlich keiner. Gerade erst war die Finanzierungsform des Factoring wieder im Gespräch – im Zusammenhang mit dem jüngst gescheiterten Quelle-Versandhaus. Doch was ist Factoring überhaupt? Wie funktioniert und wem nutzt es? Fragen, die sich ein Unternehmer spätestens dann stellt, wenn er in finanzieller Bredouille steckt, weil sich seine Kunden mit dem Bezahlen mehr Zeit lassen als es für sein Geschäft tragbar ist.
Das Prinzip des Factoring ist einfach: Ein Factoring-Unternehmen übernimmt die Außenstände eines Betriebes und stellt ihm dafür Sofortkapital zur Verfügung, so dass dieser wieder liquide ist. Die Factoring-Firma profitiert wiederum von einem Entgelt, das zwischen 0,8 und 2,5 Prozent der Summe der übernommenen Außenstände liegt. Häufig sind Verträge, bei denen das Factoring-Unternehmen langfristig bestimmte Schuldner übernimmt. Verträge, die sich nur um einzelne Forderungen drehen, sind eher die Ausnahme. Auch muss man zwischen echtem und unechtem Factoring unterscheiden. Beim echten Factoring übernimmt der Dienstleister das Ausfallrisiko, auch Delkredererisiko genannt. Das heißt, es greift auch dann nicht auf seinen Factoring-Kunden zurück, wenn dessen Kunden zahlungsunfähig sind – eine Option, die beim unechten Factoring noch besteht und einen enormen Unsicherheitsfaktor mit sich bringt. Gerade deshalb wird hierzulande auch fast nur echtes Factoring angeboten. Üblich ist das so genannte Standard-Factoring, welches alle Leistungen – Finanzierungs-, Delkredere- und Dienstleistungsfunktion - umfasst. Voraussetzung für ein gut funktionierendes Factoring ist immer umfassende Information und eine Vertrauenswürdigkeit auf beiden Seiten, sowohl auf der des Factoring-Anbieters, als auch auf der seines Kunden.
Unternehmen, für die Factoring zur Finanzierung in Frage kommt, sind in erster Linie mittelständische Produktions- und Großhandelsbetriebe, insbesondere solche mit hohen Außenständen und niedriger Eigenkapitalquote. Wichtig ist, dass diese Unternehmen “gesund” sind. Zur Sanierung maroder Firmen ist Factoring nicht geeignet. Günstige Voraussetzungen sind der Handel mit standardisierten Waren, ein Umsatz zwischen ein und eineinhalb Millionen Euro, ein weitgehend konstanter Stamm gewerblicher Abnehmer und die Möglichkeit, bei Lieferanten durch Skontierung Geld einsparen zu können.